Lachsangeln vor Rügen

21.02.2017
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Lachsangeln vor Rügen

Das Lachsangeln vor Rügen ist in den letzten Jahren immer populärer geworden. Kein Wunder, denn die Aussichten auf einen tollen Fisch und ein ganz besonderes Erlebnis auf der Ostsee sind hier hervorragend. Sobald es die Bedingungen und Bestimmungen zulassen, starten die Trollingboote durch. Bestimmungen heißt: Vom 15.09. bis zum 14.12. sind Lachs und Meerforelle in Mecklenburg-Vorpommern geschont. Das Mindestmaß beträgt 60 Zentimeter für Lachse und 45 für Meerforellen. Als beste Monate zum Lachsangeln zählen jedoch eh März und April. Neben unserem Fischereischein brauchen wir eine zusätzliche Angelerlaubnis. Im Amtsdeutsch: Angelerlaubnis für die Küstengewässer im Geltungsbereich des selbständigen Fischereirechts des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die Tageskarte kostet sechs Euro, die Wochenkarte 12. Unsere Trolling-Tour beginnt im Hafen von Schaprode. Hier bekommt ihr die Angelerlaubnis für Rügen ganz unkompliziert – und zwar im Hafenmeisterbüro. Dort öffnen sich die Türen morgens um 7:30 Uhr.

Lachsbestand in der Ostsee

In der Saison brechen mittlerweile Scharen von Anglern auf, um einen der begehrten silberblanken Lachse ans Band zu bekommen. Und vielen gelingt es – denn der Lachsbestand in der Ostsee ist gut. Davon gehen zumindest die Experten des Thünen-Institus für Ostseefischerei in Rostock aus. Sie schätzen die Population auf rund eine halbe Million Lachse. Die Fische ziehen auf ihrer Fresswanderung vor allem von Nordfinnland und Nordschweden aus in die westliche Ostsee. Dort schlagen sie sich den Magen am liebsten mit fetten Heringen voll. Von der kommerziellen Fischerei dürfen laut Quote jährlich 100.000 Lachse gefangen werden. Erkenntnisse über die von Anglern entnommenen Fische liegen derzeit noch nicht vor. Entsprechende Erhebungen laufen aber. Da die Zahl der beim Schleppen gefangenen Lachse jedoch nicht ganz unerheblich seine dürfte, könnte sie sich durchaus auf künftige Quoten auswirken.

Faszination Schleppangeln

Während die einen beim Wörtchen „Schleppangeln“ eher abwinken, sind andere komplett vom Trolling-Virus infiziert und vom Lachsangeln fasziniert. Sie investieren Unsummen in Boot und Technik und verbringen auf der Jagd nach den silbernen Schönheiten Stunde um Stunde auf hoher See. Gespannt und gebannt tuckern sie ihr Revier ab und machen dabei unzählige Kilometer. Definitiv nicht jedermanns Sache. Für uns ist diese Lachs-Tour eine Premiere und wir können beide Seiten nachvollziehen. Zum einen hat die Atmosphäre beim Schleppangeln auf Ostseesilber weit vor der Küste etwas ganz besonderes. Zum anderen werden wir von der Technik förmlich erschlagen. Mit den Schlepprunden auf Hecht, die wir auf unserem Hausgewässer immer mal wieder drehen, hat das absolut nichts zu tun. Downrigger, Planerboards, Tauchscheiben, ein Wirrwarr aus Schnüren, Clips und Ködern – das macht die Sache für uns Laien erstmal extrem unübersichtlich. Gut, dass unser Guide alles im Griff hat. Unterwegs sind wir übrigens mit Frank Selke sen. vom Guiding-Service Keschern.de.

Auch interessant: Hechtanglen auf Rügen im Winter und zum Saisonstart im Frühjahr.

 

Auf zum Fisch - wo die Lachse warten

Die Bedingungen auf unserer ersten Lachs-Tour sind erstmal gut. Jetzt im April ist es zum Glück nicht mehr ganz so frostig wie am Anfang der Saison. Der Wind passt auch – zumindest erstmal. Rund eine Stunde dauert´s bis wir die „heiße“ Ecke gut 30 Kilometer vor Rügen erreicht haben. Weitere Minuten vergehen, bis wir mit vier bis fünf Stundenkilometern gemütlich vor uns hin schippern und sprichwörtlich die Nadeln im Heuhafen suchen. An dieser Stelle ist die Ostsee knapp 30 Meter tief. Auf dem Echolot tauchen die ersten Heringe auf – schöne, große Schwärme. Und zack, schon nach kurzer Zeit ist die erste Rute krumm. Im Boot landet unser allererster Lachs. Großartig. Schon jetzt eine gelungene Premiere. Nur wenig später folgt der zweite Fisch. Mit über 80 Zentimetern etwas größer als der erste Lachs. Genauso hatten wir es uns vorgestellt. Auch wenn hier noch ganz andere Kaliber schwimmen, sind wir mehr als zufrieden. Denn selbstverständlich sind auch Nullrunden beim Lachsangeln an der Tagesordnung. Leider wird der Wind immer stärker, die Bedingungen immer ruppiger. Von Gemütlichkeit kann mittlerweile keine Rede mehr sein. Wir entschließen uns einzupacken. Der Heimweg ist noch weit. Dann geht’s zurück in den Hafen – mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Lachsangeln vor Rügen bockt!!!