Dicker Beifang! 1,24 m Hecht aus dem Rhein!

10.03.2015
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Diesen Tag wird Simon Durejka aus Heidelberg wohl nicht so schnell vergessen. Dies ist sein Fangbericht.

Drei Wochen hatte ich mich auf diesen Tag gefreut. Nach der einem endlos vorkommenden Lernerei und einem ordentlichen Verlauf des schriftlichen Staatsexamens in Romanistik, war es endlich soweit.
Mein Angelpartner Marcus holte mich am Tag nach der Prüfung mit dem Auto ab und wir fuhren geradewegs an unseren Hotspot an dem wir die Wochen zuvor Zander fingen.

Die Bedingungen nahmen uns allerdings die Euphorie. Die Sonne schien fast durchgängig, das Wasser hatte noch nicht die erwartete Trübung durch das Hochwasser bekommen und war folglich sehr klar. Nachdem wir bereits zwei Stunden ohne einen Zupfer fleißig gejiggt hatten, fand ich mich innerlich bereits mit dem Gedanken ab, keinen Examenszander drillen zu dürfen. Wenigstens das gute Wetter entschädigte!

An einem von uns per Google earth entdeckten ausgespülten Loch nahe dem Hauptstrom, wollten wir einen letzten Versuch wagen. Ich montierte einen 10 cm langen Lieblingsköder in weiß und schob ihn auf den 28 gr. Rundkopf. Kurz darauf flog er schräg Strom auf, ich nahm Fühlung auf und konnte kurz darauf fühlen wie er am Grund ankam. Dann kam eine längere Absinkphase und ich wusste, dass ich nun mit dem Köder im Gumpen sein musste.

Zum nächsten Anjiggen kam es jedoch nicht mehr. Noch bevor ich den Köder ein zweites mal in der Gumpe anheben konnte, gab es den lang ersehnten „Tock“! Ich schlug hart an und erst mal tat sich nichts. Dann plötzlich setzte sich da unten etwas großes, wütendes in Bewegung und ich konnte gerade noch die Bremse meiner 4000er Okuma Trion öffnen, bevor ca. 20 m 0,15er Powerpro mit viel Gewalt von meiner Rolle gerissen wurde. Kurz vor der Strömungskante konnte ich den Fisch dann stoppen, da ich ihn dort auf keinen Fall reinkommen lassen wollte.

Die ersten Minuten waren wir uns sowieso sicher, dass sich ein Wels das Fischchen geschnappt hatte. Wer denkt denn nach so einer Flucht an nen anderen Fisch….Als ich jedoch das erste Mal den Krokodilschnabel sah, war mir augenblicklich klar, dass gerade etwas Außergewöhnliches passiert. Der erste Landeversuch schlug fehl, da der Fisch nicht der Länge nach in den Kescher passte. Marcus versuchte es ein zweites Mal und stülpte den Kescher über den Kopf des Hechtes. Als dieser dann sicher gelandet war, wurde mir so langsam klar, was soeben passiert war. Da diese Hechtdame voller Laich war, wollte ich den Fisch keinesfalls verletzen. Ich nahm den Kescher also nicht aus dem Wasser und legte ihn auf den Kies, sondern hob die Hechtdame mit dem Kiemengriff aus dem Kescher um sie zu vermessen.

Als Marcus das Maßband am unteren Ende der Schwanzflosse ablas und es aussprach konnte ich es nicht glauben und wollte es nochmal wissen: 1,24 m!
Wir schätzten den Fisch auf die Schnelle mindestens auf 17 Kilo, da sie einen unglaublich dicken Bauch hatte und nach ein paar schnellen Fotos durfte sie auch sofort wieder zurück in ihr Element. Ich hielt sie zur Regeneration noch etwa zwei Minuten bis sie von selber wieder zurück in die Tiefe schwamm.

Mir wurde erst im Nachhinein klar, dass dies wahrscheinlich ein sehr seltenes Exemplar war. Genauso klar war mir, dass ich so einen Hecht zumindest in einem deutschen Fluss wahrscheinlich nie wieder fangen werde. Gott sei dank war Schonzeit und ich kann legal behaupten, den Fisch released zu haben.

(Anm. d. V.: ich war eigentlich auf Zander aus und habe nicht gezielt auf Hechte geangelt, da mir dies nun öfters unterstellt wurde. Des Weiteren handelte es sich auch nicht um einen typischen Hechtlaichplatz, sondern um einen starkströmenden Bereich, wo ich sonst Zander fange)