Fressen Aale Wasserleichen?

Fressen Aale Wasserleichen?

09.02.2015
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Szene aus dem Tatort "Chateau Mort": Ein Mann wird tot aus dem Bodensee geborgen.

Am Kopf eine Wunde, an der offenbar schon Fische geknabbert haben. Das Urteil des Gerichtsmediziners: "Aale fangen vom Kopf her an".

 

Aber fressen Aaale wirklich Wasserleichen? Hier einige Antworten.

 

Reinhold Hanel - Leiter des Institutes für Fishereiökologie am Johann Heinrich von Thünen Institut

Zusammenfassung der Redaktion:

Wissenschaftlich gesehen zählt der Aal NICHT zu den Aasfressern. Er lebt als Nahrungsopportunist und ist damit ein Allesfresser.

Als Aasfresser hingegen werden Tiere bezeichnet, deren Nahrung hauptsächlich aus Tierkadavern besteht. Der Experte kann allerdings weder bestätigen noch dementieren, dass Aale auch mal Geschmack an einer Wasserleiche finden. Zähne und Gebiss des Aals seien allerings nicht darauf ausgelegt, Stücke aus einer "Beute" zu beißen. Eine genaue Definition des Wörtchens "Aas" findet ihr hier bei Wikipedia.

 

Erich Miltner - Direktor der Rechtsmedizin am Universitätsklinikum in Ulm: "Aale sind meines Wissens grundsätzlich keine Aasfresser, der Mythos stammt wohl aus dem Film „Die Blechtrommel“, wo Aale mit Hilfe eines Pferdekopfs gefangen werden.

Andere Fische und vor allem Krebse fressen Wasserleichen aber durchaus an."

Quelle: faz.net

 

Angelina Tittmann - Sprecherin des Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei:

"Unsere Wissenschaftler halten es für sehr unwahrscheinlich, dass Aale Aas essen, hundertprozentig ausschließen lässt es sich aber nicht.“

Der deutsche „Aal-Papst“ Friedrich-Wilhelm Tesch schrieb dazu 1999: „Eine weitere Frage ist, ob, abgesehen von frischen Ködertieren, Tierleichen gefressen werden.

Die meisten Autoren verneinen es. Wie bereits angedeutet, bestätigt sich dies beim Füttern von Aalen. Nahrungsreste, die eine Nacht lang im Wasser gelegen haben, rührt kein Aal mehr an. Fischköder am Haken und in Reusen müssen am nächsten Tag gegen neue Köder ausgewechselt werden, da sonst der Fangerfolg entscheidend zurückgeht.“

Quelle: bild.de

 

Die oft verbreitete Aussage, Aale seien Aasfresser, resultiert aus ihrem Versteckverhalten, was früher durch das Auslegen von Tierschädeln zum Fang genutzt wurde. Diese Fangmethode wurde in der Blechtrommel von Günter Grass literarisch zwar sehr schön, fachlich aber grundfalsch beschrieben. Fischer wissen, dass Aale bestenfalls frisch getötete Köder fressen, niemals aber verweste. Der Grund liegt nicht zuletzt in dem extrem fein ausgebildeten Geruchssinn des Aales begründet. Er ist in der Lage, einzelne Geruchs- oder Geschmacksmoleküle wahrzunehmen. Seine röhrenartig ausgebildeten Nasenlöcher befähigen ihn zudem, eine Geruchsspur in allen drei Dimensionen wahrzunehmen und zu verfolgen (stereoskopisches Riechen).

Quelle: Wikipedia

 

Aale sind Allesfresser. Das besagt jedoch nicht, sie würden tatsächlich alles fressen, was ihnen vor das Maul kommt.

Es bedeutet lediglich, dass die Nahrungspalette des Aals sehr weit gefächert ist. Insbesondere verwesende Nahrung wird von Aalen nicht gern aufgenommen. Alles was nicht frisch ist, wird zumeist konsequent gemieden.

Der Aal ist in diesem Sinne also kein Aasfresser! Vermutlich führten ungenaue Beobachtungen und damit verbundene Irrtümer zu diesem, sich recht hartnäckig haltenden, Irrglauben. Möglicherweise wurden frische "Schlachteabfälle", welche z.T. sehr gerne vom Aal genommen werden (Hühnerdarm, Leber...) mit verwesendem Aas verwechselt.

Der Aal frisst selbstverständlich auch nicht an Wasserleichen. Er nutzt vielmehr jegliche Möglichkeit einen Unterschlupf zu finden.

Quelle: aalfreunde.de

 

Foto: Erni-Fotolia